001 KEAfoehrenen-Pecher Bernhard Kaiser

Das Pechen im Jahresverlauf

Die wichtigsten Werkzeuge: v.l.n.r.: der Rindler, der Dechsel (Zunftzeichen der Pecher) und das Einstemmeisen
Die wichtigsten Werkzeuge: v.l.n.r.: der Rindler, der Dechsel (Zunftzeichen der Pecher) und das Einstemmeisen
In der Winterzeit ruhen die Bäume.
Diese Zeit wird von den Pechern für
die Herstellung der Leitscharten genutzt.
In der Winterzeit ruhen die Bäume. Diese Zeit wird von den Pechern für die Herstellung der Leitscharten genutzt.
Röteln
Röteln
Fürhacken
Fürhacken

Danach legt der Pecher einen ersten Streifen vollkommen frei. Mit der Hacke oder dem Dechsel wird eine V-förmige Kerbe, die Lass, eingeschlagen und die Leitscharten eingesetzt.

Einsetzen der Leitscharten
Einsetzen der Leitscharten
Schnabel einstemmen
Schnabel einstemmen

Darunter wird mit dem Einstemmeisen ein Schnabel eingestemmt.

Pechnagel einschlagen
Einschlagen des Pechnagels

Unter dem Schnabel wird im richtigen Abstand der Pechnagel eingeschlagen.

Pechhäferl setzen
Pechhäferl setzen

Dazwischen klemmt der Pecher das Pechhäferl ein, mit dem das  Harz eingefangen wird.

Mindestens einmal wöchentlich - optimalerweise zweimal pro Woche - wird mit dem Pecherhobel ein weiterer Streifen von wenigen Zentimetern freigelegt.

Hobeln
Hobeln
Harzfluss
Harzfluss
Pechbaum
Pechbaum
Frisches Schwarzföhrenharz (ungereinigt)
Pechhäferl mit Rohharz

Die eingesetzen Scharten leiten das herabfließende Harz in das Pechhäferl. Wenn das Pechhäferl voll ist, wird es entleert. Das ist im Schnitt zirka drei bis vier mal im Jahr notwendig. Ein Pechhäferl fasst rund 1 Kilo Rohharz.

Der Ertrag ist von Baum zu Baum unterschiedlich.

 

Das Pechhäferl wird entnommen (oft aus luftiger Höhe) und in das Pechbüttel (auch Pechpittel) entleert, das dann zum Pechfass getragen wird.
Das Pechhäferl wird entnommen (oft aus luftiger Höhe) und in das Pechbüttel (auch Pechpittel) entleert, das dann zum Pechfass getragen wird.
Entleren in das Pechpittel.
Entleren in das Pechpittel.
Das Pechfass wurde eingegraben
Das Pechfass wurde eingegraben

Das Pechfass wurde liegend in den Waldboden eingegraben, damit es nicht austrocknen kann und so kein Harz verloren geht. Oben war eine verschließbare Öffnung in die das Harz aus dem Pittel eingegossen wurde. Oft wurde dazu noch ein Holztrichter verwendet.

Wenn das Fass voll war, musste es früher mühsam mit Pferdewagen in die nächste Pechsiederei und ab 1914 in das Harzwerk gebracht werden.

Später, in den 1950er-Jahren, wurden  die Pferdewagen von Traktoren und dann die Holzfässer von amerikanischen Blechfässern abgelöst.

Als Material für das Pechhäferl wurden früher Blech, Mineralfaser und hauptsächlich Ton, später dann leichter zu leerendes Glas
verwendet. Weil diese Pechhäferl nicht mehr hergestellt werden, kommen heute auch hier alte Bestände zum Einsatz.

Das Pechren passierrt oft auf der Leiter in luftiger Höhe.
Jedes Jahr kommt man beim Bearbeiten ein Stück höher.

Das Pechhäferl wird jährlich höher gesetzt.
Anhand der eingeschlagenen Schnäbel kann man am Baum ablesen, wieviele Jahre er gepecht wurde.Die bearbeitbare Höhe ergibt sich aus der Länge der Leiter, die der Pecher früher meist im Laufen von Baum zu Baum mittragen musste. Die Leiter hat sich jeder Pecher selbst angefertigt. Sie musste besonders leicht konstruiert sein.

Am Pechbaum, genauer: auf der Lachte (das ist die von der Rinde befreite Holzfläche), bleibt im Laufe des Jahres eine Harzschicht zurück die im Licht austrocknet und verhärtet.

Zum Saisonende - mit den ersten Frösten - wird das am Baum verbliebene Harz abgescharrt. Die Pecher verwenden eine spezielle Schürze ("Scherrpechfiata") die sie auf einer Seite eng um den Baum befestigen, um das Scherrpech einzusammeln.

Scherrpech (Scharrharz)  scharren.
Scherrpech (Scharrharz) scharren.
Scherrpechfiata
Scherrpechfiata

Als Schutz und Zuflucht bei Gewittern errichteten die Pecher mitten im Wald einfache kleine Pecherhütten.

Innen dienten zwei gehobelte Bretter entlang der Wände als Sitzbank und ein paar Pechernägel als Kleiderhaken.

Pecherhütte am Pecherlehrpfad Hernstein
Pecherhütte am Pecherlehrpfad Hernstein
Pecherrucksack
Pecherrucksack
Pecherschuhe
Pecherschuhe
Pechersterz (Foto: Ingeborg Zeh)
Pechersterz (Foto: Ingeborg Zeh)

Mit deftigem Essen holten sich die Pecher die nötige Energie für die mühsame und kraftraubende Arbeit - zum Beispiel mit dem traditionellen Piestinger Pechersterz

Rezept Piestinger Pechersterz
Rezept Piestinger Pechersterz

Aus dem Harz, dem Holz, den Nadeln und Zapfen (Bockerln) und der Rinde der Schwarzföhren wird eine Vielzahl traditioneller, aber auch neuer, innovativer Naturprodukte hergestellt.

Viele Produzenten und Anbieter von Dienstleistungen rund um die Pecherei, auch Gemeinden und Museen, sowie unterstützende und engagierte Personen und Institutionen haben sich im Verein "Die KEAföhrenen" zusammengeschlossen, um das von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärte Handwerk der Pecherei und die Traditionen mit zahlreiche Aktivitäten rund um das Thema Schwarzföhre zu pflegen.

In unserem Produktkatalog sind viele aktuelle Angebote aufgelistet - für alle Gelegenheiten, Geschmäcker und Interessen.

Eine Auswahl von KEAföhrenen-Produkten
unesco neu

Immaterielles Kulturerbe Pecherei in Niederösterreich
Im Jahr 2011 wurde das überlieferte Handwerk der Pecherei in Niederösterreich auf Initiative der "Arbeitsgemeinschaft Niederösterreichische Pecherstraße" in das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Österreichischen UNESCO-Kommission aufgenommen.

Nähere Informationen zu dieser Anerkennung auf der Seite der Österreichischen UNESCO-Kommission.

Mit Unterstützung von Land und Europäischer Union
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*Die Pecherei in Niederösterreich wurde im Jahr 2011 von der Österreichischen
UNESCO-Kommission 
in das nationale Verzeichnis als immaterielles Kulturerbe aufgenommen.

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